Landesfeuerwehrverband Saarland fordert schnelle Corona-Schutzimpfung für Feuerwehrleute

Friedrichsthal. Feuerwehrleute stehen täglich in vorderster Reihe um in Not geratenen Menschen zu helfen – auch jetzt während der Corona-Pandemie. Doch anders als für Rettungsdienst und Polizei ist für die Feuerwehren, bei gleicher Gefahrenlage, zunächst keine gleichwertig priorisierte Impfung vorgesehen. Sie müssen nach derzeitiger Impfplanung zunächst hintenanstehen. Ein Umstand den der Landesfeuerwehrverband (LFV) Saarland, gerade jetzt vor dem Hintergrund der sich deutlich abzeichnenden dritten Virus-Welle, deutlich kritisiert und eine gleich hohe Impfpriorisierung analog zu Rettungsdienst und Polizei auch für die Feuerwehrleute im Land fordert. Wie Rettungsdienst und Polizei muss, so die Forderung des LFV Saarland, auch den Feuerwehren schon jetzt ein priorisiertes Impfangebot gemacht werden, um ihnen den bestmöglichen Schutz gegen den Corona-Virus zu geben. Mit gleichlautenden Forderungen wandten sich dieser Tage auch schon der Saarländische Städte- und Gemeindetag (SGGT), der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) sowie mehrere Landesfeuerwehrverbände an Politik und Öffentlichkeit.

„Den unumstößlichen Dreiklang der Hilfeleistung bilden Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei“, betont Manfred Rippel, Präsident des LFV Saarland, und macht dies am Beispiel eines Verkehrsunfalls deutlich. Ein Auto verunglückt, ein Mensch wird verletzt im Wrack eingeklemmt und benötigt schnelle Hilfe.

„Selbstverständlich werden zur Rettung des Unfallopfers gemeinsam Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei alarmiert und selbstverständlich arbeiten sie dann Hand in Hand zusammen, um das Unfallopfer zu retten,“ erklärt Feuerwehrmann Rippel. In engen Kontakt mit dem Unfallopfer kann dabei jeder der Helfer in den verschiedenen Phasen der Rettung kommen. Sollte das Unfallopfer mit dem Corona-Virus infiziert sein, so sind im Moment nur Rettungsdienst und Polizei dagegen durch Impfung adäquat geschützt. Denn nach gültiger Impfreihenfolge wird aktuell erst nur den Mitarbeitern des Rettungsdienstes und den Beamten der Polizei ein Impfangebot gemacht, bevor Feuerwehrleute in einem der späteren Schritte mit in die Impfung einbezogen werden. „Wir können ein Unfallopfer vor seiner Rettung aber nicht erst nach einem Testergebnis fragen und davon unser weiteres Handeln abhängig machen“, stellt Rippel klar und fährt fort: „Die Feuerwehr ist dazu verpflichtet uneingeschränkt jedem Menschen Hilfe zu leisten, das ist nicht verhandelbar!“

Der Verkehrsunfall ist nur eines von vielen Einsatzszenarien bei denen Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei Seite an Seite arbeiten. Ein anderes Beispiel sind die zahlreichen Unterstützungseinsätze der Feuerwehr für den Rettungsdienst. Seien es nun Notfalltüröffnungen, um verletzte oder erkrankte Menschen zu erreichen oder Menschenrettungen mit der Drehleiter. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, kommen doch Feuerwehrleute bei so gut wie jedem Einsatz mit anderen Menschen in Kontakt. Es reicht alleine schon, wenn der besorgte Mensch der eine Katze auf einem Baum meldet unwissentlich mit dem Virus infiziert ist und die Krankheit zu den Feuerwehrleuten trägt. Erkrankt ein Feuerwehrangehöriger nach einem Einsatz an Corona, so handelt es sich nach Auffassung der Unfallkasse Saarland (UKS) um einen Arbeitsunfall. Denn der Feuerwehrangehörige war im Rahmen seiner Tätigkeit „einer Infektionsgefahr besonders ausgesetzt“. Dabei wird die Tätigkeit des Feuerwehrangehörigen mit der Arbeit im sogenannten Gesundheitsdienst oder der Wohlfahrtspflege gleichgesetzt.

Ganze 11.000 Menschen sind im Saarland für die Feuerwehren der Städte und Gemeinden tätig. Den Löwenanteil der Feuerwehrleute im Saarland machen, genauso wie in ganz Deutschland, Freiwillige aus, die sich ehrenamtlich und unentgeltlich in den Dienst der Gesellschaft stellen. Dabei gehen sie ohnehin große Risiken für ihre eigene Gesundheit und sogar ihr Leben ein, um Menschen in größter Not zu helfen. Alleine schon deshalb sollte den Feuerwehrangehörigen für den größtmöglichen Schutz vor der Gefahr des Corona-Virus ein bevorzugtes Impfangebot gemacht werden. Ein Angebot, das sich die Mehrheit der Feuerwehrleute im Saarland wünscht und annehmen möchte, wie die zahlreichen Anfragen von Wehren beim LFV Saarland in den letzten Wochen eindrucksvoll zeigen.

Deswegen ist es nach Ansicht des LFV Saarland unabdingbar nötig die Impfreihenfolge anzupassen und die Feuerwehr in die gleiche Prioritätsstufe wie Rettungsdienst und Polizei aufzunehmen. Alle unmittelbar in die Gefahrenabwehr eingebundenen Hilfskräfte sind gleichsam systemrelevant und gleich schützenswert. „Abstriche und Unterschiede bei der Impfung von Hilfskräften können und dürfen nicht gemacht werden“, stellt LFV-Präsident Rippel nochmals klar. Die Politik ist in der Pflicht an der Impfreihenfolge zu justieren, um auch Feuerwehrleuten ein schnelles Impfangebot zu machen und sie nicht auf die ungewisse Zukunft zu vertrösten. Wichtig ist es dabei, dass die Politik das Problem nicht nur in Richtung Berlin verweist, sondern auch auf Ebene des Saarlandes nach möglichen Lösungsansätzen sucht.

Neuer DFV-Präsident: Karl-Heinz Banse

+++ Deutscher Feuerwehrverband wählt Banse als neue Präsident +++
Auf der heutigen 67. Delegiertenversammlung wählten die Delegierten des Deutschen Feuerwehrverbandes den Niedersachsen Karl-Heinz Banse zu ihrem neuen Präsidenten. Auch Delegierte des Landesfeuerwehrverbandes Saarland nahmen an der Online-Delegiertenversammlung teil.
 
Der Landesfeuerwehrverband Saarland gratuliert Karl-Heinz Banse zu seiner Wahl und wünscht ihm für seine nun beginnende Amtszeit alles gute und viel Erfolg.
 
 
Karl-Heinz Banse ist neuer Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes / Delegierte wählen 58-Jährigen aus Niedersachsen in digitaler Sitzung
Berlin – Karl-Heinz Banse ist neuer Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV). Der 58-Jährige aus Niedersachsen wurde im Rahmen der 67. Delegiertenversammlung mit 86 von 164 Stimmen gewählt. Die Veranstaltung hatte aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden müssen und fand nun als digitale Sitzung statt.
„Vertrauen zurückgewinnen, Verbandsarbeit in verschiedensten Feuerwehrbereichen intensivieren, Lobbyarbeit weiter ausbauen, transparenter arbeiten und Verbandsarbeit weiter professionalisieren“, nannte Karl-Heinz Banse als die fünf Ziele seiner Präsidentschaft. Nach Satzung beträgt die Amtszeit sechs Jahre. „Wir brauchen einen starken, geschlossen auftretenden, unabhängigen Spitzenverband“, blickte er in die Zukunft. Der Verwaltungsfachangestellte ist bislang als Koordinierender Brandschutzbeauftragter beim Land Niedersachsen tätig. Die Position des DFV-Präsidenten wird als Ehrenamt mit entsprechender Aufwandsentschädigung ausgeübt. Banse hatte sich im ersten Wahlgang gegen Dr. Karsten Homrighausen (Berlin) und Frank Kliem (Brandenburg) durchgesetzt.
Der Vorgänger in der Position des DFV-Präsidenten, Hartmut Ziebs aus Nordrhein-Westfalen, hatte das Amt zum 31. Dezember 2019 niederlegt. Die Neuwahl war pandemiebedingt erst jetzt möglich. Der DFV-Präsidialrat (Vertreter der Ordentlichen Mitglieder) hatte sich mehrheitlich für eine digitale Sitzung ausgesprochen.
Impfpriorisierung für Feuerwehrangehörige
Hermann Schreck, Vizepräsident und Ständiger Vertreter des DFV-Präsidenten, resümierte das vergangene Jahr: „Neben der Neuaufstellung, auch in den Strukturen, wie sie vom Arbeitskreis ,Zukunft des DFV‘ erarbeitet wurde, hat auch die Pandemie 2020 im Mittelpunkt unserer Arbeit gestanden. Private, berufliche, dienstliche Entbehrungen und Einschränkungen prägen unseren Alltag.“ Schreck erläuterte zum Thema der Corona-Impfung: „Um als Feuerwehren handlungsfähig zu bleiben, haben wir Bundesgesundheitsminister Spahn gebeten, die Einstufung der Feuerwehren bei der Impfpriorisierung nochmals zu überprüfen und Feuerwehr-Einsatzkräfte besser durch eine frühzeitige Impfung zu schützen.“ Schreck zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Corona-Lage stabilisieren werde und man wieder in den Regelbetrieb zurückkehren könne – „auch, wenn dieser anders aussehen wird als vorher“.
Vizepräsidenten bestätigt
Im Zuge der 67. Delegiertenversammlung stellten sich auch die Vizepräsidenten einer Vertrauensabstimmung. Frank Hachemer, Lars Oschmann, Hermann Schreck und Dr. Christoph Weltecke (alle Freiwillige Feuerwehr), Ulrich Behrendt (Werkfeuerwehr) sowie Christian Patzelt (Jugendfeuerwehr) wurden von den Delegierten mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Karl-Heinz Knorr (Berufsfeuerwehr) hatte das Amt als Vizepräsident zum 1. Januar 2021 abgegeben, da er nicht mehr als Leiter der Berufsfeuerwehr Bremen tätig ist. Als Nachfolger ist Karl-Heinz Frank (Leiter Feuerwehr Frankfurt/Main) durch die Bundesgruppe Berufsfeuerwehr designiert. Die Wahl soll in der 68. Delegiertenversammlung 2021 stattfinden.
Ausblick auf 29. Deutschen Feuerwehrtag 2022
2022 findet der 29. Deutsche Feuerwehrtag in Hannover statt: Vom 20. bis 25. Juni sollen dann Feuerwehrangehörige aus ganz Deutschland die Gelegenheit zum Netzwerken, zur Fachfortbildung und zu Gremientagungen nutzen. „Wir freuen uns auf eine tolle Veranstaltung, die parallel zur Weltleitmesse INTERSCHUTZ die Feuerwehrangehörigen zusammenbringt – natürlich immer unter Berücksichtigung der aktuellen Pandemielage mit allen technischen Möglichkeiten“, so DFV-Vizepräsident Frank Hachemer.
„Auch, wenn wir durch die Pandemie nicht nebeneinanderstehen können, gedenken wir gemeinsam der verstorbenen Feuerwehrangehörigen“, erklärte die DFV-Bundesbeauftragte für Feuerwehrseelsorge, Feuerwehrpastorin Erneli Martens, beim Totengedenken zu Beginn der 67. Delegiertenversammlung.
Das Studio, von dem aus der Livestream der digitalen Versammlung ausgestrahlt wurde, sitzt in Berlin; daher gab es auch ein Grußwort von Sascha Guzy, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Berlin: „Die Delegiertenversammlung findet überall in Deutschland statt“, ordnete er die erste virtuelle Delegiertenversammlung ein. Er appellierte an alle Akteure im deutschen Feuerwehrwesen, „endlich wieder kameradschaftlich, fair und auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten“.
Der Deutsche Feuerwehrverband dankt der Daimler AG sowie der Telekom Deutschland GmbH für die freundliche Unterstützung der 67. Delegiertenversammlung.
Bilder der Veranstaltung werden unter https://www.feuerwehrverband.de/presse/bilder/ zur Verfügung gestellt. /soe